Texter oder Agentur: Wann sich was lohnt

Deine Website braucht neue Texte. Oder die Messe steht an, und der Flyer ist auf dem Stand von 2019. Also stellst du dir die Frage, an der viele Projekte erst mal zwei Wochen hängen: Wen beauftrage ich nun, einen Texter oder gleich eine Agentur?

Ich darf an dieser Stelle offen sein. Ich habe über zehn Jahre eine Werbeagentur in Berlin mitgeführt und arbeite seit 2015 als freier Texter. Ich kenne also beide Seiten des Tisches. Und ich sage dir gleich vorweg: Manchmal ist die Agentur die bessere Wahl. Wann genau, klären wir jetzt.

Was eine Agentur leistet und was ein Texter

Eine Werbeagentur ist ein Team. Dort sitzen Beratung, Konzeption, Design, Text, oft auch Programmierung und Mediaplanung unter einem Dach. Du hast eine Ansprechperson, die das Projekt koordiniert, und im Hintergrund arbeiten mehrere Spezialisten zusammen.

Ein freier Texter ist ein Spezialist. Er kümmert sich um das, was auf der Seite steht: Botschaften, Struktur, Überschriften, Argumente, Call to Action. Er arbeitet direkt mit dir, ohne Zwischenstation. Viele erfahrene Texter haben selbst lange in Agenturen gearbeitet und bringen deshalb auch konzeptionelles Denken mit. Design und Technik gehören aber in der Regel nicht zu ihrem Paket.

Die spannendere Frage lautet deshalb: Was fehlt dir eigentlich?

Wann sich eine Agentur lohnt

Eine Agentur spielt ihre Stärken aus, wenn viele Gewerke gleichzeitig ineinandergreifen müssen. Typische Fälle:

  • Du brauchst einen kompletten Markenauftritt mit Logo, Designsystem, Website und Kampagne.
  • Es gibt in deinem Unternehmen niemanden, der Projekte mit mehreren Dienstleistern steuern kann oder will.
  • Die Kampagne läuft auf vielen Kanälen, mit Mediabudget und laufender Optimierung.
  • Das Volumen ist so groß, dass ein Einzelner zeitlich schlicht nicht hinterherkommt.

Dafür zahlst du mit. Für Projektmanagement, Abstimmungsrunden, Büro und die Leute, die du nie zu Gesicht bekommst. Das ist völlig in Ordnung, solange du diese Leistungen auch brauchst. Ärgerlich wird es, wenn du eigentlich nur bessere Texte wolltest und am Ende ein Gesamtpaket bezahlst.

Ein Punkt, über den selten gesprochen wird: In vielen Agenturen schreibt am Ende eine Person aus dem Team, die du im Pitch nie gesehen hast. Das kann ein Volltreffer sein. Frag trotzdem vorher nach, wer deine Texte tatsächlich schreibt und wie viel Erfahrung diese Person hat.

Wann ein freier Texter die bessere Wahl ist

Ein Texter lohnt sich immer dann, wenn das Problem im Wort liegt. Also wenn das Design steht, die Technik läuft, aber niemand so recht versteht, was du eigentlich anbietest und was man davon hat. Oder wenn Besucher kommen und wieder gehen, ohne jemals anzufragen. Da helfen klarere Botschaften mehr als ein neues Farbschema.

Typische Aufträge für Texter

  • Website-Texte neu schreiben oder überarbeiten (dazu mehr in Website-Texte optimieren)
  • Landingpages und Sales Pages für ein konkretes Angebot
  • Case Studys, Broschüren und Präsentationen im B2B
  • Mailings, Newsletter und Akquise-Mails
  • Claims, Headlines und Produktnamen

Die Vorteile im Alltag

Du sprichst direkt mit der Person, die schreibt. Was du im Briefing erzählst, wird zunächst reflektiert und landet ohne Stille-Post-Effekt im Text. Rückfragen gehen schneller, Korrekturen auch. Und weil kein großer Apparat mitbezahlt werden muss, bekommst du für dein Budget meist mehr Denkzeit am eigentlichen Text. Wie sich Texterpreise zusammensetzen, habe ich in Was kostet ein Texter? ausführlich erklärt.

Der Haken: Ein Texter macht keine Grafik. Muss deine Website auch optisch und technisch neu gebaut werden, brauchst du zusätzlich jemanden für Design und Umsetzung. Viele Freelancer arbeiten deshalb in festen Netzwerken mit Designern und Entwicklern zusammen. Frag ruhig danach.

Die Mischform: Texter plus Inhouse-Team oder Agentur

In der Praxis ist es oft gar kein Entweder-oder. Diese Konstellationen begegnen mir besonders häufig.

Du hast eine Agentur, die Texte sind aber schwach. Das kommt öfter vor, als Agenturen zugeben. Ein externer Texter kann dann für einzelne Projekte dazukommen und mit dem Agenturteam zusammenarbeiten.

Du hast ein Marketingteam, aber niemand hat Zeit zum Schreiben. Das Team kennt das Produkt oder die Dienstleistung sowie die Kunden in- und auswendig. Der Texter bringt den Blick von außen und bereitet das Fachwissen so auf, dass potenzielle Kunden verstehen, was sie von einer Zusammenarbeit oder einem Kauf haben.

Du baust gerade neu auf. Dann lohnt es sich, zuerst mit einem Texter die Botschaft zu klären und erst danach Design und Technik zu beauftragen. Wer schon weiß, was auf der Seite stehen soll, brieft jede Agentur und jeden Designer deutlich besser.

Du bist Agentur und brauchst Verstärkung. Auch das ist ein klassischer Fall. Viele Agenturen buchen freie Texter, wenn eigene Kapazitäten fehlen oder ein Kunde aus einer Branche kommt, die Spezialwissen erfordert.

Gerade im B2B, wo Produkte erklärungsbedürftig und mehrere Köpfe an Entscheidungen beteiligt sind, ist diese Arbeitsteilung besonders sinnvoll. Wie man komplexe Angebote greifbar macht, steht in Storytelling im B2B-Marketing.

Fünf Fragen, die dir die Entscheidung abnehmen

Bevor du Angebote einholst, beantworte für dich diese Fragen.

  1. Liegt mein Problem im Text oder im Gesamtauftritt? Wenn Design und Technik grundsätzlich passen, brauchst du vermutlich einen Texter.
  2. Wer steuert das Projekt? Wenn bei dir niemand Zeit hat, mehrere Dienstleister zu koordinieren, spricht das für eine Agentur.
  3. Wie groß ist das Budget wirklich? Mit kleinerem Budget bekommst du bei einem erfahrenen Texter oft mehr Qualität pro Euro.
  4. Wie wichtig ist mir der direkte Draht? Wenn du mit der Person reden willst, die schreibt, ist der Freelancer oft im Vorteil.
  5. Wie oft brauche ich Texte? Für regelmäßige Aufgaben lohnt sich eine feste Zusammenarbeit mit einem Texter, der deine Firma und Tonalität irgendwann besser kennt als manche Kollegen.

Woran du gute Partner erkennst, egal welche Größe

Ob Agentur oder Texter: Gute Dienstleister stellen erst viele Fragen und nennen dann einen Preis. Sie wollen wissen, wen du erreichen willst und was der Text bewirken soll. Wer dir nach zwei Minuten ein Angebot schickt, hat über dein Projekt noch nicht nachgedacht.

Achte außerdem auf Arbeitsproben aus deinem Umfeld. Wer seit Jahren für B2B-Kunden schreibt, versteht schneller, warum ein Einkäufer anders liest als ein Endkunde. Und kläre vorher, wie viele Korrekturschleifen enthalten sind und wer welche Nutzungsrechte bekommt.

Ein letzter Punkt zum Thema KI, weil die Frage garantiert kommt: Viele Texter und Agenturen arbeiten inzwischen mit KI-Werkzeugen. Das ist völlig legitim, solange am Ende ein erfahrener Mensch redigiert und die Verantwortung übernimmt. Mehr dazu in KI-Texte vs. Profi-Texter.

Fazit: Erst das Problem, dann der Partner

Die Agentur ist ideal, wenn du einen Rundum-Auftritt brauchst und jemanden, der alle Fäden in der Hand hält. Der Texter ist ideal, wenn deine Botschaft hakt und du direkt mit dem Menschen arbeiten willst, der sie schärft. Welche Lösung passt, hängt weniger von der Größe deines Unternehmens ab als von der Frage, wo es gerade klemmt.

Wenn du merkst, dass es bei dir an den Worten liegt: Ich bin Texter aus Berlin mit über 25 Jahren Erfahrung, überwiegend im B2B. Ich schaue mir deine Texte gern an und sage dir ehrlich, ob du einen Texter brauchst oder doch eher eine Agentur. Schreib mir einfach.

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